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Mammals in the treetops...

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Bei meiner nächtlichen Suche nach Amphibien entdecke ich im Falllaub die Exkremente eines Faultieres. Irgendwo da oben in den Baumkrone hängt es jetzt und schläft vermutlich. Faultiere steigen etwa alle acht Tage aus dem Baumkronenbereich zum Erdboden herab, um dort ihre Exkremente abzusetzen. Das ist nur eine der vielen Skurrilitäten, die man von diesen Tieren weiß. Das Dreizehenfaultier (Bradypus variegatus) gehört zur urtümlichen Säugetiergruppe der (erklären!). Eines Tages um die Mittagszeit hören wir, wie irgend etwas Großes mit Getöse zu Boden fällt. Wir eilen sofort zu der Stelle und finden ein etwas verstört wirkendes Dreizehenfaultier. Neben ihm liegt der frisch abgebrochene Zweig eines Ameisenbaumes (Cecropia). Der Baum ist nicht hoch und dennoch haben wir das Tier den ganzen Tag über nicht gesehen. Der Grünschimmer seiner Haare hatte es zwischen den Blättern der Cecropia perfekt getarnt. Die Struktur der einzelnen Haare ist nämlich eine Besonderheit im Tierreich. Sie sind von einer lockeren, gefurchte Strukturen bildenden Zellschicht überzogen. Darin siedeln sich Algen und Cyanobakterien (Cyanoderma, Trichophilus) an, die dem Tier seinen grünen Schimmer verleihen.Eine weitere Besonderheit der Faultiere ist der Haarstrich ihres Fells. Sein Scheitel liegt nicht auf der Rückenseite wie bei anderen Säugetieren, sondern auf der Bauchseite. So kann das Regenwasser von dem hängenden Tier ungehindert abtropfen. Für ihre extrem langsame Bewegungsweise und Schlafphasen von bis zu 18 Stunden täglich gibt es mehrere Theorien. Man weiß, dass sich Faultiere auf den Verzehr der Blätter von etwa 20 verschiedenen Baumarten spezialisiert haben, von denen die Blätter der Ameisenbäume (Cecropia) den Hauptanteil stellen. Die Blätter vieler Regenwaldbäume sind aber mit giftigen Substanzen ausgerüstet, einem Fraßschutz, der sie gegen zahlreiche Vegetarier schützt. Diese von einem Faultier zwar gefressenen, aber schwer verdaulichen Blätter lagern sehr lange in dessen Magen, bis sie von bestimmten Bakterien aufgeschlossen worden sind. Der sehr langsame Verdauungsprozess liefert den Faultieren nur wenig Energie, so dass sie mit ihren Bewegungen haushalten müssen. Während das Faultier in den Bäumen hängt, sammeln sich in seinem Darm gewaltige Kotmengen an, die es dann etwa einmal pro Woche auf dem Waldboden absetzt. Faultiere sind Gastgeber für eine Reihe von Organismen, die sich in ihrem Fell aufhalten. Dazu gehört der Kleine Zünsler, ein Schmetterling, von dem einige Wissenschaftler vermuten, dass sich seine Raupe von den Algen, die sich im rauen Fell der Tiere angesiedelt haben, ernährt. Die Raupen wiederum locken Ameisen an, die sich bevorzugt von ihnen ernähren. Die Algen geben Spurenelemente ab, die die Faultiere mit der Zunge aufnehmen.Faultiere können ihren Kopf um 180 Grad drehen. Das ist vor allem deshalb von Vorteil, weil sie auf diese Weise alle Blätter um sich herum abpflücken können, ohne ihren Körper bewegen zu müssen. Bei der Berechnung der Verteilung tierischer Biomasse in Amazonien kam man zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass gerade die Faultiere einen besonders hohen Anteil ausmachen. Die Tatsache, dass man sie wegen ihrer besonderen Lebensweise nur recht selten zu sehen bekommt, täuscht über ihren noch immer sehr hohen Bestand hinweg. Die stille Lebensweise der Faultiere steht in einem krassen Gegensatz zum äußerst behänden und oftmals lautstarken Auftreten der meisten Affen. Quietschend, keckernd oder laut brüllend ziehen sie durch die Kronenregion, immer auf der Suche nach frischen Blättern, Früchten, Knospen, Nüssen und gelegentlich auch Insekten. Nirgends auf der Welt ist im Laufe der Evolution die Anpassung der Affen an eine Lebensweise in den Bäumen so perfektioniert worden wie in den Neotropen, wo ihre akrobatischen Künste durch den Einsatz eines Greifschwanzes als fünftem Kletterarm weiter
perfektioniert wurden. Der muskulöse Greifschwanz, dessen einrollbares Ende einen Haken bildet, wird vor allem dann eingesetzt, wenn die Tiere schwingend nach Zweigen oder Früchten greifen. Sämtliche Affen mit Greifschwanz kommen ausnahmslos auf dem amerikanischen Kontinent vor. Einen fünften Kletterarm benutzen im übrigen auch noch andere Tiere, wie Mausopossum (Marmosa), Wickelbär (Potos flavus) und der Zwergameisenbär (Cyclobes didactylus). Die absoluten Akrobaten im Kronendach sind die schlanken und äußerst geschickten Klammeraffen (Ateles). Weitere Trapezkünstler sind die Wollaffen (Lagothrix), die Spinnenaffen (Brachyteles) und die Kapuzineräffchen (Cebus). Sie alle sind ebenfalls mit einem Greifschwanz als zusätzlichem Kletterarm ausgerüstet. Das trifft auch auf die geschickten Brüllaffen (Alouatta) zu. Klammerschwanzaffen leben meist in größeren Verbänden und häufig vergesellschaften sich dabei sogar Affen unterschiedlicher Arten.Eine Horde Roter Brüllaffen (Alouatta seniculus) über sich zu haben, ist ein besonders eindrucksvolles und vor allem lautstarkes Erlebnis. Meistens, noch bevor die Mittagssonne auf die Baumkronen brennt, kann man ihr Gebrüll schon aus großer Ferne hören. Das Auf- und Abschwellen klingt etwa so, als würde ein Sturm herannahen. Die Männchen erzeugen den Ton in ihrem blasenförmig erweiterten, verknöcherten Kehlkopf, einem speziellen Ruforgan. Es ist ein tiefer Ton, dessen Frequenz bei 200 Hertz liegt. Dieser Frequenzbereich durchdringt den Wald wesentlich besser als hohe Töne. Obwohl gerade die Klammerschwanzaffen besonders flink sind, haben auch sie natürliche Feinde. Die größte Gefahr geht dabei von der Harpyie (Harpia harpyia) aus, die vor allem Affen und Faultieren nachstellt.

Text und Fotos © Andreas Schlüter 2003-2004