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Stoffkreislauf....

Flechten Moose Algen Lichens Mosses Algae
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Recycling im tropischen Regenwald. Organischer “Abfall” wie ein verendeter Falter wird umgehend von Pilzen zersetzt. Temperaturen und Luftfeuchtigkeit lassen Humus gar nicht erst entstehen..

Falter mit Pilzen - organischer Abfall - Recycling

Flechten, Moose, Algen. Der ganze Wald ist ein Filter, der die mineralischen Bestandteile des Regenwassers zurück hält.

Pilze Fungi

Die Regenzeit hat begonnen. Pilze übernehmen ihre Arbeit und zersetzen organischen “Abfall”..

Bodenbeschaffenheit und Nährstoffkreislauf

Ganz anders als die Wälder in unseren Breiten, sind die meisten Regenwälder unabhängig von Nährstoffen aus dem Boden. Die Verarmung der Böden durch Jahrmillionen der Erosion hat die Organismen zu erheblichen Anpassungen gezwungen. Wie ist es möglich, dass gerade auf den ausgelaugten Böden mächtige Urwaldriesen wurzeln und mit ihnen das artenreichste Land-Ökosystem der Erde entstehen konnte. Die Antwort ist verblüffend einfach. Tropische Regenwälder ernähren sich nicht aus dem Boden heraus – sie erhalten und erneuern sich selbst. Die mineralischen Nährstoffe zirkulieren in einem Kreislauf, ohne je in den Boden zu gelangen. Nicht der Boden also, sondern die Pflanzen selbst, allen voran die Bäume, haben sich zu Nährstoffspeichern entwickelt. Der größte Teil der Mineralien ist also in den lebenden Organismen gespeichert.

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Ein herabfallendes Blatt, eine Frucht, ein Zweig oder ein totes Tier; innerhalb weniger Tage wird abgestorbenes organisches Material umgesetzt und wieder in den Kreislauf zurückgebracht. Der Bedrohung, durch das völlige Wegspülen seiner Mineralien irgendwann zu verhungern entgeht der Regenwald, indem er seine Nährstoffe in den lebenden Organismen zurückhält, statt sie einer leicht wegzuspülenden Humusschicht zu überlassen.

Kleine Wesen - große Wirkung

Bakterien, Pilze, Termiten und Ameisen sind die Hauptakteure, die organisches Material zersetzen und den Pflanzenwurzeln wieder zur Verfügung stellen. Die meisten Regenwaldbäume wurzeln flach. Ihre Wurzeln dringen nicht tief in den unfruchtbaren Boden vor, sondern suchen direkt unter der Bodenoberfläche nach Nahrung. Stelz- und gewaltige Brettwurzeln vergrößern die Standflächen der Bäume. Der größte Teil des fein verzweigten Wurzelnetzwerkes befindet sich in den oberen 30 Zentimetern des Bodens, wo es in jeden nur erreichbaren Winkel vorstößt.

Das Wunderwerk der Mykorrhiza

Eine ganz entscheidende Rolle bei der Aufnahme von Nährstoffen spielen die sogenannten Mykorrhiza-Pilze, ohne deren Tätigkeit die meisten Regenwaldbäume nicht existieren könnten. Ihre mikroskopisch kleinen Fäden durchdringen deren Wurzeln und gehen mit ihnen eine Symbiose (Mykorrhiza) ein. Die Wirkung der Mykorrhiza-Pilze ist eine doppelte.

Einerseits vergrößert ihr die Wurzeln umschließendes Geflecht deren Oberfläche um ein Vielfaches, andererseits führen sie die durch den Abbau organischer Substanzen entstehenden Nährstoffe den Bäumen direkt zu. Dieser „kurzgeschlossene“ Nährstoffkreislauf funktioniert sogar fast ohne Verlust. In den Böden tropischer Regenwälder herrscht vor allem ein ständiger Mangel an Phosphaten. Mit Hilfe radioaktiv markierter Phospate konnten nordamerikanische Wissenschaftler deren Weg durch die Mykorrhiza-Pilze in die Baumwurzeln verfolgen. In weiteren Versuchen setzten sie dem Boden Phosphor und Kalzium zu. Über 99 Prozent der beiden dem Boden zugeführten Substanzen konnten sie später in den Wurzeln und anderen Pflanzenteilen wiederfinden. Eine erstaunliche Effektivität der Mykorrhiza-Symbiose. Die Mykorrhiza-Pilze stellen den Bäumen Nährstoffe schnell zur Verfügung, bevor der nächste Tropenregen alles davon schwemmt. Als „Gegenleistung“ erhalten sie Kohlenhydrate für ihre eigene Ernährung. Doch auch bei der fast hundertprozentigen Effektivität der Pilze ist ein winzigkleiner Schwund an Mineralien durch Auswaschung unvermeidlich. Man weiß heute, dass Regenwälder diesen geringen Verlust durch Mineralien ausgleichen, die im Regenwasser enthalten sind.

 

Über einen gewaltigen globalen Stofftransport wird der Regenwald kontinuierlich gedüngt. Etwa 500 Millionen Tonnen Saharastaub trägt der Nordost-Passat jährlich in westlicher Richtung über den Atlantik auf die amerikanischen Regenwälder zu. Pro Hektar Regenwald schlagen sich aus den feinen Stäuben etwa 13 Kilogramm Kalium, 3 Kilogramm Phosphat und bis zu 16 Kilogramm Calcium nieder. Das Magnesium, Grundbaustein des Chlorophylls und damit Vorraussetzung für die Photosynthese, kommt ebenfalls aus der Sahara.

Von der Kronenregion bis hinunter zu den Wurzeln mit ihren Mykorrhiza-Pilzen arbeitet der Regenwald als ein riesiger Nährstoff-Filter. Die im Saharastaub enthaltenen lebenswichtigen Mangelstoffe (Mineralien) gelangen gar nicht erst in den Boden. Sie werden unterwegs bereits von Epiphyten (Aufsitzerpflanzen wie Bromelien und Orchideen) und Epiphyllen (Flechten und Moose, die auf Blättern wachsen) aufgefangen. Der „Filter Regenwald“ ist so effektiv, dass die in den Bächen und Flüssen abfließenden Wassermassen fast frei von gelösten Mineralien sind und beinahe die Werte von destilliertem Wasser erreichen.

Text und Fotos © Andreas Schlüter 2003-2004