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Wirbeltiere in den Baumkronen....

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Phyllomedusa tarsius -Makifrosch  Hylidae Peru Rainforest Amazon Pachitea Panguana Species Diversity : Wirbeltiere in Baumkronen

Viele Frösche bekommt man nur während der Regenzeit zu sehen, weil sie dann aus dem Kronendach des Waldes herabsteigen, um sich an Regentümpeln fortzupflanzen. Die Makifrösche (Phyllomedusa) verbringen die meiste Zeit des Jahres hoch oben in den Baumkronen. Hier, wo die Sonneneinstrahlung besonders hoch ist, schützen sie sich gegen Sonnenbrand. Mit den Vorder- und Hinterbeinen streichen sie über die gesamte Körperoberfläche, um sich mit einem wachsartigen, lipidhaltigen Überzug einzustreichen. Diese Substanz wird in Hautdrüsen gebildet. Zusätzlich schützen sich einige Arten vor der intensiven Sonneneinstrahlung, indem sie tagsüber eine helle Farbe annehmen und auf diese Weise einen Teil des Lichtes reflektiern. 

Wo sich Frösche aufhalten und Jungvögel noch nicht flügge sind, da sind meist auch die Schlangen nicht weit. Einige Arten haben sich zu wahren Kletterkünstlern entwickelt. Das ist besLeptophis ahuetulla Colubridaeonders erstaunlich bei Tieren, die im Laufe ihrer Evolution ihre Gliedmaßen verloren haben. Die Schlanknatter (Leptophis ahaetulla) ist so ein Kletterkünstlerin, die vor allem Baumfröschen und kleinen Echsen, wie Geckos und Anolis,Norops Anolis cf. punctatus  Iguanidae nachstellt. Diese grün gefärbte Schlange, die der Umgebung optisch hervorragend angepasst ist, hat einen schwach giftigen Speichel, der vermutlich nur auf ihre spezifischen Beutetiere wirkt. Sie ist keine ausschließliche Bewohnerin des Kronendaches sondern durchstreift sämtliche Etagen der Bäume. Bei Gefahr reißt sie ihr Maul weit auf und verlässt sich auf die abschreckende Wirkung dieser Drohgebärde. Nur äußerst selten beißt sie wirklich einmal zu.

Baumschlangen sind meistens sehr schlank und wirken seitlich zusammengedrückt. In der Mehrzahl sind sie grün gefärbt, wie die Grüne Hundskopfboa (Corallus caninus), die einzige Riesenschlange Amazoniens , die auch in größeren Höhen auf Bäumen lebt. Mit ihren sehr langen, spitzen, reusenähnlich nach hinten gerichteten Zähnen macht sie vor allem Jagd auf Vögel. Ihre nahe Verwandte, die Braune Hundskopfboa (Corallus hortulanus), die sich ebenfalls vorzugsweise von Vögeln ernährt, jagt nachts in tieferen Etagen in Flussnähe.

Hier, wo die Äste der Uferbäume über die Flussufer ragen, begegnet man mancherorts noch recht häufig dem großen Grünen Leguan (Iguana iguana). Alle Viere herunterbaumelnd, liegen die Tiere auf ihren Aussichtsästen in der Sonne. Man bemerkt die gut getarnten Echsen, die eine Körperlänge von anderthalb Metern erreichen können, meist erst dann, wenn sie sich – aufgeschreckt von einem herannahenden Boot – aus großer Höhe laut plumpsend ins Wasser fallen lassen. Erwachsene Grüne Leguane sind Vegetarier, die sich von Blättern, Blüten und Früchten ernähren. Jungtiere hingegen fressen hauptsächlich Insekten und Spinnen.   

Der Grüne Leguan hat eine Reihe kleiner, äußerst geschickt kletternder und springender Verwandter. Es sind die Anolis (Anolis), die in erster Linie Jagd auf Insekten machen. Sie haben ein stark ausgeprägtes Territorialverhalten. Mit weit aufgespreizter, leuchtend Norops Anolis punctatus - Iguanidaegelber oder roter Kehlfahne warnen die Männchen ihre Nachbarn davor, Reviergrenzen zu überschreiten. Nachts schlafen die tagaktiven kleinen Echsen meist auf Blättern oder dünnen Zweigen, wo sie leicht zu Opfern zahlreicher Feinde werden. Das gilt auch für die kleinen bunten und ebenfalls tagaktiven Geckos der Gattung Gonatodes.

Stelzenläufer-Leguane (Tropidurus plica und Tropidurus umbra), etwas skurril aussehende und mit einem Flechtenmuster ausgestattete Echsen, sieht man häufig kopfunter am Hauptstamm eines Baumes sitzen. Auf der Suche nach ihrer Lieblingsnahrung suchen sie nach offenen Stellen in Termitengängen. 

Wer angesichts der schillernden Farben vieler tropischer Regenwaldvögel in den Baumkronen Amazoniens ein Heer ausgezeichneter Sänger vermutet, der wird schnell enttäuscht. Anders als in Mitteleuropa, sind die meisten Vögel Amazoniens nur krächzende Schreihälse. Ein Musterbeispiel dafür sind die Papageien, allen voran die Aras (Ara). Diese großen, bunten Vögel, von denen der Hyazinth-Ara (Anadorhynchus hyacinthicus) mit einem Meter Körperlänge der größte Papagei weltweit ist, sind wohl die beeindruckendsten Papageien Amazoniens. Wer Aras nur aus der Vogelhaltung kennt, ist erstaunt, wenn er die Flugkünste dieser prächtigen Vögel im Freiland beobachten kann. Meist in kleinen Gruppen, aber immer paarweise, fliegen sie kurz vor dem Sonnenuntergang laut krächzend zu ihren Schlafplätzen.

Auch Papageien sind eine stammesgeschichtlich sehr alte Tierfamilie, was man aus ihrer Verbreitung sowohl in der Neuen als auch in der Alten Welt, in Australien und Neuseeland ableiten kann. Ihr kräftiger Schnabel dient zum Knacken harter Früchte und Samen, ist aber auch als „dritter Fuß“ eine ausgezeichnete Kletterhilfe. Aras decken ihren Bedarf an Mineralien, indem sie an bestimmten Plätzen des Regenwaldes Erde fressen. Die Kenntnis über die Lage dieser meist an Flussufern liegenden Mineraltankstellen geben die Aras von Generation zu Generation weiter. Als Höhlenbrüter legen Aras zwei bis drei Eier in Baumhöhlen ab. Leider werden diese Nester, sobald sie entdeckt werden, oft von Papageienhändlern ausgenommen.

Auch Tukane, ebenfalls knallbunt gefärbt und in den Baumkronen lebend, fallen zunächst durch ihre lauten, sehr einfachen Rufe auf. In kleinen Gruppen ziehen die geselligen Vögel durch die Bäume auf der Suche nach Früchten, Beeren, aber auch nach Insekten, Spinnen und Jungvögeln, die sie aus ihren Nestern holen. Ihre bunten Schnäbel haben neben dem Knacken hartschaliger Beeren und Käfer auch eine Signalfunktion zur Arterkennung. Wenn man den riesigen aber dennoch federleichten Schnabel eines Tukans einmal in der Hand hält, dann kann man sich kaum vorstellen, dass er beim Zerknacken hartschaliger Früchte nicht selbst zerbricht. Doch eine den Spanten eines Schiffes ähnelnde Konstruktion aus Hornspangen verleiht ihm die hohe Stabilität.

Hier oben, wo wegen des ungehinderten Zugangs von Sonnenlicht zahlreiche Blüten in den unterschiedlichsten Farben leuchten, kommen die Kolibris auf ihre Kosten. Ihre winzigen Nester, in die sie sogar Spinnenfäden einweben, befinden sich häufig an den für Feinde kaum erreichbaren Spitzen der Blätter.

Die Harpyie (Harpia harpyia), ein bis zu sieben Kilogramm schwerer Adler, steht wie der Jaguar ganz oben in der Nahrungspyramide. Neben anderen Vögeln jagt sie vor allem Säugetiere, wie Affen, Faultiere, Nasenbären und Agutis, die sie mit ihren überaus langen, gewaltigen Klauen blitzschnell ergreift. Wie der andere Endkonsument, der Jaguar, hat sie ein riesiges Jagdrevier und ist nur äußerst selten zu sehen. Ihre nachlässig gebauten Nester, in denen sie nur alle zwei Jahre ein Küken groß zieht, errichtet sie meist auf Kapokbäumen, die als Überständer das Kronendach des Waldes um 10 bis 20 Meter überragen.

Bei meiner nächtlichen Suche nach Amphibien entdecke ich im Falllaub die Exkremente eines Faultieres. Irgendwo da oben in den Baumkrone hängt es jetzt und schläft vermutlich. Faultiere steigen etwa alle acht Tage aus dem Baumkronenbereich zum Erdboden herab, um dort ihre Exkremente abzusetzen. Das ist nur eine der vielen Skurrilitäten, die man von diesen Tieren weiß. Das Dreizehenfaultier (Bradypus variegatus) gehört zur urtümlichen Säugetierordnung der Zahnarmen (Xenarthra).

Eines Tages um die Mittagszeit hören wir, wie irgend etwas Großes mit Getöse zu Boden fällt. Wir eilen sofort zu der Stelle und finden ein etwas verstört wirkendes Dreizehenfaultier. Neben ihm liegt der frisch abgebrochene Zweig eines Ameisenbaumes (Cecropia). Cecropia  Zekropie Ameisenbaum ant tree Der Baum ist nicht hoch und dennoch haben wir das Tier den ganzen Tag über nicht gesehen. Der Grünschimmer seiner Haare hatte es zwischen den Blättern der Cecropia perfekt getarnt. Die Struktur der einzelnen Haare ist nämlich eine Besonderheit im Tierreich. Sie sind von einer lockeren, gefurchte Strukturen bildenden Zellschicht überzogen. Darin siedeln sich Algen und Cyanobakterien (Cyanoderma, Trichophilus) an, die dem Tier seinen grünen Schimmer verleihen.

 Eine weitere Besonderheit der Faultiere ist der Haarstrich ihres Fells. Sein Scheitel liegt nicht auf der Rückenseite wie bei anderen Säugetieren, sondern auf der Bauchseite. So kann das Regenwasser von dem hängenden Tier ungehindert abtropfen.

Für ihre extrem langsame Bewegungsweise und Schlafphasen von bis zu 18 Stunden täglich gibt es mehrere Theorien. Man weiß, dass sich Faultiere auf den Verzehr der Blätter von etwa 20 verschiedenen Baumarten spezialisiert haben, von denen die Blätter der Ameisenbäume (Cecropia) den Hauptanteil stellen. Die Blätter vieler Regenwaldbäume sind aber mit giftigen Substanzen ausgerüstet, einem Fraßschutz, der sie gegen zahlreiche Vegetarier schützt. Diese von einem Faultier zwar gefressenen, aber schwer verdaulichen Blätter lagern sehr lange in dessen Magen, bis sie von bestimmten Bakterien aufgeschlossen worden sind. Der sehr langsame Verdauungsprozess liefert den Faultieren nur wenig Energie, so dass sie mit ihren Bewegungen haushalten müssen. Während das Faultier in den Bäumen hängt, sammeln sich in seinem Darm gewaltige Kotmengen an, die es dann etwa einmal pro Woche auf dem Waldboden absetzt.

Faultiere sind Gastgeber für eine Reihe von Organismen, die sich in ihrem Fell aufhalten. Dazu gehört der Kleine Zünsler, ein Schmetterling, von dem einige Wissenschaftler vermuten, dass sich seine Raupe von den Algen, die sich im rauen Fell der Tiere angesiedelt haben, ernährt. Die Raupen wiederum locken Ameisen an, die sich bevorzugt von ihnen ernähren. Die Algen geben Spurenelemente ab, die die Faultiere mit der Zunge aufnehmen.

Faultiere können ihren Kopf um 180 Grad drehen. Das ist vor allem deshalb von Vorteil, weil sie auf diese Weise alle Blätter um sich herum abpflücken können, ohne ihren Körper bewegen zu müssen.

Bei der Berechnung der Verteilung tierischer Biomasse in Amazonien kam man zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass gerade die Faultiere einen besonders hohen Anteil ausmachen. Die Tatsache, dass man sie wegen ihrer besonderen Lebensweise nur recht selten zu sehen bekommt, täuscht über ihren noch immer sehr hohen Bestand hinweg.

Die stille Lebensweise der Faultiere steht in einem krassen Gegensatz zum äußerst behänden und oftmals lautstarken Auftreten der meisten Affen. Quietschend, keckernd oder laut brüllend ziehen sie durch die Kronenregion, immer auf der Suche nach frischen Blättern, Früchten, Knospen, Nüssen und gelegentlich auch Insekten. Nirgends auf der Welt ist im Laufe der Evolution die Anpassung der Affen an eine Lebensweise in den Bäumen so perfektioniert worden wie in den Neotropen, wo ihre akrobatischen Künste durch den Einsatz eines Greifschwanzes als fünftem Kletterarm weiter perfektioniert wurden. Der muskulöse Greifschwanz, dessen einrollbares Ende einen Haken bildet, wird vor allem dann eingesetzt, wenn die Tiere schwingend nach Zweigen oder Früchten greifen. Sämtliche Affen mit Greifschwanz kommen ausnahmslos auf dem amerikanischen Kontinent vor. Einen fünften Kletterarm benutzen im übrigen auch noch andere Tiere, wie Mausopossum (Marmosa), Wickelbär (Potos flavus) und der Zwergameisenbär (Cyclobes didactylus). Die absoluten Akrobaten im Kronendach sind die schlanken und äußerst geschickten Klammeraffen (Ateles). Weitere Trapezkünstler sind die Wollaffen (Lagothrix), die Spinnenaffen (Brachyteles) und die Kapuzineräffchen (Cebus). Sie alle sind ebenfalls mit einem Greifschwanz als zusätzlichem Kletterarm ausgerüstet. Das trifft auch auf die geschickten Brüllaffen (Alouatta) zu. Klammerschwanzaffen leben meist in größeren Verbänden und häufig vergesellschaften sich dabei sogar Affen unterschiedlicher Arten.

Eine Horde Roter Brüllaffen (Alouatta seniculus) über sich zu haben, ist ein besonders eindrucksvolles und vor allem lautstarkes Erlebnis. Meistens, noch bevor die Mittagssonne auf die Baumkronen brennt, kann man ihr Gebrüll schon aus großer Ferne hören. Das Auf- und Abschwellen klingt etwa so, als würde ein Sturm herannahen. Die Männchen erzeugen den Ton in ihrem blasenförmig erweiterten, verknöcherten Kehlkopf, einem speziellen Ruforgan. Es ist ein tiefer Ton, dessen Frequenz bei 200 Hertz liegt. Dieser Frequenzbereich durchdringt den Wald wesentlich besser als hohe Töne.

Obwohl gerade die Klammerschwanzaffen besonders flink sind, haben auch sie natürliche Feinde. Die größte Gefahr geht dabei von der Harpyie (Harpia harpyia) aus, die vor allem Affen und Faultieren nachstellt.

Text und Fotos © Andreas Schlüter 2003-2004